El Niño und die nächste Ernte: Ocafi über die Lage in Brasilien

Von Daniel Lang6. Oktober 2026

Die Kaffeeproduktion in Brasilien ist stark auf gleichmäßige Niederschläge angewiesen. Dabei gibt es zwei entscheidende Phasen. Von September bis Dezember braucht es beständigen Regen, damit die Bäume gleichmäßig austreiben und Blüte und Bestäubung unterstützt werden. Von Dezember bis April fördert dann eine hohe Feuchtigkeit die Entwicklung und Reifung der Kirschen. Danach lassen die Niederschläge in den trockeneren Herbstmonaten nach, und im Mai beginnt die Ernte.

In diesem Jahr lösten heftige Regenfälle in der ersten Septemberhälfte eine frühe Blüte im Sul de Minas (SDM) und im Nordosten von São Paulo (SP) aus. Von Nord-Paraná bis in den SDM wurde teilweise bereits erfolgreiche Bestäubung gemeldet. Idealerweise sorgt der Regen nun für einen gleichmäßigen Austrieb in der gesamten Region und löst weitere Blüte und Bestäubung aus.

„Die erste Herausforderung zu Beginn der Regenzeit besteht immer darin, die Bäume vollständig und gleichmäßig zum Austrieb zu bringen. Nach der Blüte brauchen sie dann rechtzeitig weiteren Niederschlag, um die Bestäubung zu unterstützen und den Abwurf der Blüten zu verhindern. Zum Verlust von Blüten und zu ausbleibender Bestäubung kommt es, wenn auf die Blüte eine längere Phase trockenen, warmen bis heißen Wetters mit geringer Bodenfeuchtigkeit folgt.“ (World Weather Inc.)

El-Niño-Bedingungen erhöhen das Risiko unregelmäßiger, ungleich verteilter Niederschläge nach der Blüte. Das kann zum Abwurf von Blüten führen. Bisher wurde dies vor allem in den nördlichen Anbaugebieten beobachtet. Bemerkenswert ist, dass die Farmen von Ocafi überwiegend im Süden liegen und weniger betroffen zu sein scheinen.

Was bedeutet das für die Preise? Der Markt handelt stets auf Grundlage der Erwartungen für die nächste Ernte. Analysten schätzen bereits, dass El Niño die Produktion im kommenden Jahr um 1 Million Sack oder mehr verringern könnte. Ob sich diese Befürchtung bewahrheitet, wird sich zeigen. Zur Einordnung: Wir kommen von rund 4 $/lb und liegen heute bei etwa 3 $/lb. Im Mai und Juni fielen die Preise sogar auf rund 2,40 $, doch diese Bewegung kehrte sich schnell wieder um. Starke Regenfälle während der Ernte im Juni und Juli hatten Folgen: Mehr Kaffee blieb am Boden liegen, Pflücken und Trocknung verlangsamten sich, und es kamen Sorgen um eine geringere Qualität auf.

Das zeigt, wie empfindlich der Markt inzwischen schon auf kleine Wetteränderungen reagiert. Globale Lieferketten sind darauf angewiesen, dass die frische Ernte pünktlich ankommt. Schon eine Verzögerung von wenigen Wochen führt dazu, dass Kaffee die großen Verbraucherländer später erreicht, und das treibt die Preise kurzfristig nach oben. Eine solche Verzögerung kann durch eine langsamere Ernte entstehen oder durch einen Mangel an Containern infolge des anhaltenden Konflikts um den Iran. Gleichzeitig wurden die Kaffeeanbauflächen weltweit in den vergangenen zwei Jahren ausgeweitet, angeregt durch die hohen Preise. Die meisten Analysten erwarten daher, dass sich der Markt mittelfristig im mittleren 2-Dollar-Bereich einpendelt. Ob das so eintritt, hängt maßgeblich vom Wetter ab, und El Niño bleibt einer der wichtigsten Faktoren, die es im Blick zu behalten gilt.

Originaltext von Ocafi.

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